Slam-Varianten

Normalerweise gibt es bei einem Poetry Slam Beiträge aller Genres und zu allen Themen - alles ist erlaubt. Es gibt aber auch Möglichkeiten, Slams explizit einen besonderen Charakter zu geben. Folgende Liste beansprucht keine Vollständigkeit, auch enthält sie einige eigene Ideen, die meines Wissens noch nicht durchgeführt wurden

  • "Dead or alive" - Bei dieser Variante lesen einerseits Slam-Poeten eigene Texte ("alive"), während Schauspieler und/oder andere Performer Texte von (bereits verstorbenen) Klassikern lesen ("dead"). Beide Arten von Textbeiträgen werden von der Publikumsjury bewertet. In München ein bereits bekanntes Format, in Hamburg erstmals am 25.1. 2008 im Schauspielhaus.
  • Dialekt-Slam - Hier werden Texte im lokalen Dialekt bzw. in einer lokalen Sprache vorgetragen. In Wien gibt es übrigens einen ständigen Slam dieser Art. (bei der DM 2006 in München gab es einen "Mundart-Slam") In Norddeutschland wäre ein "Missingsch-Slam" oder vielleicht sogar ein Slam "Wi slammt op platt" denkbar (beim "Esenser Poetry Slam", wurden schon mehrfach auch plattdeutsche Texte vorgetragen, laut Information vom Veranstalter Manfred Schmidt waren es aber keine reinen "Plattdüütsch-Slams".
  • "Themenabend-Slam" im Café Mathilde (Bogenstraße 5), jeweils am 1. Dienstag des Monats, 20.15 Uhr, 5 Minuten Lesezeit, ein Sieger wird per Stimmzettel ermittelt.
    Ähnlich: Motto-Slam - Hier werden Texte zu einem Thema vorgetragen, z.B. der Erotic Poetry Slam Januar und Oktober 2007 in den Zeise-Hallen, ähnliche Veranstaltungen gab es Ende 2006 in Berlin und bei der DM 2006 in München. Im April 2007 gab es im Zeise-Kino einen Slam zum Thema "Katastrophen", in St.Pölten gab es am 26.9.08 einen "Wahlkampfreden-Slam".
  • Genre-Slam - Poetry Slam ausschließlich für eine Literaturgattung, z.B. Haiku-Slam bei der DM 2006 in München
  • Slams für Jugendliche - Dies ist ein Poetry Slam mit Altersbeschränkung. Für die Nationale Meisterschaft ist seit 2004 als gesonderte Veranstaltung ein "U20-Slam" vorgesehen. (Als Gegenpol hierzu wäre auch ein "Ü30-Slam" oder ein "Ü60-Slam" o.ä denkbar.)
  • Ü60-Slams - gibt es zwar bislang nicht, es wäre aber denkbar.
  • Cover-Slam - Slammer rezitieren Texte anderer Autoren, das können klassische Texte, Texte bekannter Autoren oder Texte anderer Slammer sein (Veranstaltung bei DM 2006)
  • Storyteller-Slam - Slam ausschließlich für Kurzgeschichten (Veranstaltung bei DM 2006)
  • "Poetry Poetry Slam" - Slam nur für Gedichte aller Art (Zeise-Hallen Dezember 2007)
  • Prop Slam - Poetry Slam, bei dem im Gegensatz zu anderen Slams Requisiten zugelassen sind (Veranstaltung bei DM 2006)
  • Translation Slam - Poetry Slam mit Texten, die der Vortragende ins Deutsche übersetzt/nachgedichtet hat (wurde bisher nie gemacht, wäre aber denkbar)
  • unplugged Slam - Poetry Slam ohne Mikrophon - unüblich, aber überlegenswert. (Die Idee kam mir beim Jubiläumsslam in Heimfeld, als der Verstärker für die Mikrophone zwischenzeitlich ausgefallen waren)
  • "Low Ball-Slam" bzw. "Bad Taste-Slam" - eine etwas kuriose Form des Slams, bei der der schlechteste Auftritt gewinnt. (Eine Beschreibung von Ko Bylanzky gibt es leider nicht mehr online). Sinnvoll im Rahmen eines Workshops, da diese Form die Angst vor dem öffentlichen Auftritt verringert. In Berlin gibt es jetzt den "Anti-Slam", bei der der Beitrag mit den wenigsten Punkten gewinnt
  • Slam mit improvisierten Texten - in Europa und USA unbekannt - aber z.B. in Kasachstan gibt es den "Aitys" - ein Wettbewerb, der Improvisationsfähigkeit verlangt (wenn man auch die dortige Wettbewerbsform eher als "Singer-Songwriter-Contest" bezeichnen müsste)
  • Team Slam - Poetry Slam ausschließlich für Teams - gibt es in der Regel nur bei Deutschen Meisterschaften
  • U20-Slam - Poetry Slam für Schülerinnen und Schüler (insb. bei Deutschen Meisterschaften)
  • Crossover Deaf Slam - Poetry Slam für Gehörlose -In der Schweiz gibt es einen Wettbewerb, bei dem sich 5 Gehörlose mit 5 Hörenden messen! (einmal jährlich, gefunden in http://www.u20slam.ch)
  • Slam als Fernsehformat - im WDR läuft/lief eine Serie "Poetry Slam", Sat1 Comedy hatte eine Serie namens "Slam mit Kuttner" angeboten, eine weitere Slam-Serie "Slam-Palast" lief in diesem Programm. In Hamburg gab es den Lettra Poetry Slam im Knust, der allerdings nach drei Folgen (Dez. 2007, Januar und Februar 2008) schon wieder eingestellt wurde, da Lettra TV Insolvenz anmelden musste.
  • "Science Slam" - Slam für wissenschaftliche Texte
  • formal stark abweichend ist der Beschleunigungslam (Konzept: Jimi Lend). Er wird in vielen Runden ausgetragen, wobei in der 1. Runde (4 Minuten Lesezeit, max. 14 Leser) die Hälfte der Teilnehmer/innen ausscheiden und in den nächsten Runden (mit immer kürzeren Lesezeiten) jeweils 1 Teilnehmer/in ausscheiden. Im Finale der zwei letzten sagen beide nur noch einen Satz!
  • fremdsprachlicher Slam - in München gibt es ebenfalls einen englischsprachigen Slam, in München gibt es den Rip Rap Englisch Slam (3. Sonntag, 3 Minuten Redezeit)
  • Lady Slam (in Paderborn, Frauenprojektbereich MIA)
  • Philosophie-Slam (Slam mit philosophischen Texten)
  • Live Poetry (in Freiburg, gefunden auf studentenwerk.uni-freiburg.de:

    ... Von den Veranstaltern als "Spross von Poetry Slam und Theatersport" bezeichnet, treten bei live.poetry jeweils drei Autoren oder Autorinnen auf der Bühne gegeneinander an. Kreativität und Improvisationsvermögen sind gefragt, denn es soll auf der Bühne live ein Text entstehen, dessen Genre und Thema von den Zuschauern bestimmt wurde. Der Dichterwettstreit wird auf Laptops ausgetragen, und über Beamer an die Wand projiziert. Jeder kann erleben, wie der Text entsteht, sich verändert oder korrigiert wird. ...

  • Prosa vs. Lyrik-Slam - Zwei Literatur-Genres wetteifern miteinander (in Berlin erfunden)

Spartenübergreifende Slams

  • Poetry Slam gemeinsam mit Action Painting (in Bochum wird ein derartiges Konzept entwickelt)
  • Jazz-Slam (Slammer/in trägt einen Text vor, eine Jazzband improvisiert dazu im Hintergrund) - findet in Kiel etwa 2-3 mal im Jahr statt statt, siehe auch assembleart
  • Soundtrack-Slam - ähnlich Jazz-Slam - hier spielt ein DJ zum Vortrag Musikstücke ein. Idee: Paula Varjack (Berlin)

Weitere Slam-Arten

Nicht nur Poetry kann in Wettbewerbsform stattfinden, deshalb gibt es noch weitere Slam-Formen:

  • Singer-Songwriter-Slam - in Hamburg gibt es je einen
  • Kurzfilm-Slam - ebenfalls bei "Kampf der Künste"
  • Comedy-Slam, z.B. in Trier - Wettbewerb speziell für Comedians und Kabarettist/innen
  • Drama-Slam (erfunden von Jimi Lend). Diese Slam-Form nimmt insofern eine Sonderstellung ein, da hier Autoren und Performer i.a. nicht identisch sind: Im "Drama-Slam reichen Dichter dramatische Texte ein, welche dann von einer vorher bestimmten Anzahl von Schauspielern prima vista performativ umgesetzt werden." Nähre Informationen siehe Drama Slam
  • Theater-Slam - Stegreif-Wettbewerb, bei dem eine Jury, wie beim Slam üblich, Punkte vergibt (also etwas anderes als Theatersport)
  • Science Slam (Wettbewerb für Wissenschaft), mehr auch hier
  • Open Stage Slam (keine offizielle Bezeichnung für diese Veranstaltungsform, sie passt aber gut) - Wettbewerb, bei dem alle Kunstgenres erlaubt sind. In Hamburg gibt es folgende Veranstaltungen:

Verwandte Veranstaltungen

Neben Poetry Slams gibt es noch weitere Veranstaltungsformen, in denen poetische Performances geboten werden:

  • open mic - Die Veranstaltung läuft so wie ein Poetry Slam, es findet aber keine Bewertung statt.
  • Lesebühne - In Veranstaltungen dieser Art lesen die Mitglieder einer Veranstaltergruppe, die sich gegebenfalls noch Gäste zusätzlich einladen. In Berlin gibt es zahlreiche Veranstaltungen dieser Art, in Hamburg gibt es folgende:
    • Lesebühne Längs
    • Randale und Liebe (monatlich in der Kantine des Schauspielhauses)
    • Dichter ohne Streit (monatlich in den Kammerspielen) - ist vom Slam mittlerweile zur Lesebühne mutiert
  • Perlen vor die Säue (Literaturhaus Hamburg)

Speziell in Hamburg gibt es noch offene Lesungen, die zwar nicht der direkt der "Spoken Word"-Szene zuzuordnen sind, aber dennoch Performances ermöglichen (allerdings ohne Mikrophon):

  • Die Spätlese (im Barmbek Basch), immer jeweils am 3. Mittwoch im Monat, 19.30 Uhr
  • TextlaborB, 19.30, 1. Mittwoch im Monat, 19.30 Uhr, BeLaMi

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